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Finanzierung
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Inhaltsverzeichnis
1 1. Überblick
2 2. Finanzierungsarten
3 3. Finanzierungspolitik
3.1
Finanzierungsregeln
4 4. Finanzplanung
5 5. Analyse von Finanztiteln
5.1
Bilanzanalyse
1. Überblick
Unter dem betriebswirtschaftlichen
Aspekt der Finanzierung ist "landläufig die Bereitstellung finanzieller
Mittel" (1) zu verstehen. Anfänglich betrachtete man unter dem Stichwort
Finanzierung nur die Kapitalbeschaffung durch Ausgabe von Wertpapieren, was sich
später um die Kapitalrückzahlung und -umschichtung bis hin zur Ausdehnung
des Begriffs auf die umfassende "Versorgung eines Unternehmens mit Kapital",
erweiterte.
Investition und Finanzierung gelten als zwei verschiedene Seiten
ein und derselben Medaille, da der durch eine finanzwirksame Entscheidung ausgelöste
Beitrag zur Zielerreichung ausschlaggebend ist, unabhängig davon, ob der
Zahlungsstrom als Investition oder Finanzierung bezeichnet wird. So ist der Abschluss
eines Sparvertrags in Höhe von 100 € und dessen Ablösung nach einem
Jahr mit 110 € für den Sparer eine Investition: Auszahlung = -100 €,
Einzahlung = +110 €, Guthabenzinsen = +10 € oder +10%. Für das
Geldinstitut ist dieser Sparvertrag eine Fremdfinanzierung: Einzahlung = +100
€, Auszahlung = -110 €, Schuldzinsen = -10 € oder -10%.
Neben
dieser betriebswirtschaftlichen Sicht, existiert aber auch eine volkswirtschaftliche
Sicht. Werden nämlich die das Kapital benötigenden Wirtschaftssubjekte
(z. B. Unternehmungen) und die Wirtschaftssubjekte, die Kapital anlegen wollen,
gegenübergestellt, so ist es volkswirtschaftlich von Interesse, dass der
Transfer des Kapitals von den Kapitalgebern/-anlegern zu den das Kapital benötigenden
Wirtschaftssubjekten mit möglichst geringen Reibungsverlusten einhergeht.
Durch effiziente Finanzierungsformen kann also ein volkswirtschaftlicher Gewinn
erzielt werden. Als Vermittler zwischen Kapitalgebern und -nehmern können
z. B. Börsen (direkte Finanzierung) oder Banken (indirekte Finanzierung bzw.
Finanzintermediation) auftreten.
2. Finanzierungsarten
Die beiden
wichtigsten Finanzierungsarten werden nach der Herkunft der Finanzmittel unterschieden:
bei der Außenfinanzierung wird das Kapital von außen in den Betrieb
eingebracht, bei der Innenfinanzierung dagegen werden die Mittel durch den normalen
betrieblichen Umsatzprozess d.h. aus Erlösen aus Lieferungen und Leistungen
sowie dem sonstigen Verkauf von betrieblichem Vermögen beschafft. Die Höhe
der Innenfinanzierung hängt davon ab, wieviel der so erwirtschafteten finanziellen
Mittel im Betrieb verbleiben, also nicht als Steuern oder Ausschüttung abfließen.
3. Finanzierungspolitik
Finanzierungsregeln
Im Hinblick
auf eine optimale Kapitalstruktur, was eine kostenminimierende und damit auch
gewinnmaximierende Auslegung der Finanzierung bedeutet, haben sich einige Finanzierungsregeln
ausgeprägt. Diese zielen nicht nur auf eine optimale Verschuldung sondern
auch auf die Erhaltung der Zahlungsfähigkeit, also eine optimale Liquidität.
Eins-zu-Eins-Regel: Das Eigenkapital sollte nach dieser Regel mindestens
so hoch sein wie das Fremdkapital.
Goldene Bankregel: Rückzahlungsdatum
/ Verfügungsdauer des Kapitals sollte sich mit dem Rückflusszeitpunkt
decken (Fristenkongruenz)
Goldene Bilanzregel: Finanzierung von Anlagevermögen
(AV) durch Eigenkapital (EK) oder in der weiteren Fassung, Finanzierung von AV
durch EK und langfristiges Fremdkapital
Die meisten der oben genannten Regeln
erweisen sich in der Praxis oft als utopisch, da sie je nach Branche kaum bis
gar nicht umzusetzen sind. Außerdem vermindern sie, häufig zu Gunsten
der Liquidität, die Rentabilität aber ermöglichen auch, je besser
die Regeln erfüllt sind, längere wirtschaftliche Durststrecken zu überwinden.
So gesehen ist eine Anpassung der starren Regeln auf jedes einzelne Unternehmen
oder zumindest auf eine Branche nötig um den Praxisbezug herzustellen. Eine
besondere Rolle spielt der Leverage-Effekt, übersetzt, die Hebelwirkung des
Fremdkapitals.
4. Finanzplanung
Die Finanzplanung betrachtet als ihre
Hauptaufgabe die Erhaltung der Liquidität unter der Voraussetzung der Rentabilitätsmaximierung
(in diesem Fall also die Kapitalkostenminimierung). Folglich muss ein dynamisches
Gleichgewicht zwischen allen künftigen Zahlungseingängen und Zahlungsausgängen
herrschen. Die Zahlungsunfähigkeit droht auch in Fällen, wenn das Gleichgewicht
in einer unendlich kleinen Zahlungsperiode gestört ist, sollte sie nicht
durch Sofortmaßnahmen (zusätzliche liquide Mittel) behoben werden können.
Mögliche Liquiditätszustände:
Überliquidität:
kalkulatorischer Verlust durch fehlende Zinseinnahmen
Unterliquidität:
Zahlungsunfähigkeit
Um Überliquidität abzubauen können
Investitionen getätigt werden oder Schulden zurückgezahlt werden. Unterliquidität
kann durch zusätzliche externe Kapitalquellen (Kredite, Kapitalerhöhungen)
oder unternehmensintern mittels Streichungen von Investitionen/Stellen aufgefangen
werden.
5. Analyse von Finanztiteln
Im Gegensatz zur Finanzplanung
wird bei der Analyse von Finanztiteln (Sicht des Unternehmens) die Sicht der Eigenkapitalgeber
bzw. der Gläubiger/Fremdkapitalgeber angenommen. Gleichwohl können Unternehmen
auch selbst als Kapitalgeber für andere Unternehmen auftreten, in dem sie
z. B. nicht benötigte Liquidität in Wertpapieren anlegen. Diese Art
der Analyse kann auch als Wertpapieranalyse bezeichnet werden.
Bilanzanalyse
Aus dem Rechnungswesen stammt die Methode, anhand der Bilanz finanzwirtschaftliche
Kennzahlen zu ermitteln, um aus Sicht des Gläubigers das Ausfallrisiko einer
Fremdfinanzierung abzuschätzen oder aus Sicht der Eigenkapitalgeber Hinweise
auf die wirtschaftliche Lage des Unternehmens zu bekommen. Im Wesentlichen existieren
dafür vier Kennzahlen:
Fremdkapitalquote auch unter Anpassungsgrad
bekannt
Eine hohe Fremdkapitalquote oder das Gegenteil, eine niedrige
Eigenkapitalquote bedeuten häufig ein erhöhtes Risiko, da bei einem
Konkurs die nicht oder nicht vollständig durch Sicherheiten gedeckten Kredite
teilweise ausfallen können. Der Verschuldungsgrad kennzeichnet die Relation
des Fremdkapitals zum Eigenkapital und bewertet somit das Gleiche wie die beiden
Finanzierungsquoten.
Systembedingte Schwächen der Bilanzanalyse sind
die fehlenden Auskünfte über Marktstellung, -potential und Qualität
des Management, da die Bilanz als Stichtagsübersicht wenig Informationen
über die zukünftige Stellung des Unternehmens liefert und kaum etwas
über die bisherigen Erfolge oder Probleme der Unternehmsführung im Markt
aussagt.
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(1) Günter Wöhe, Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre,
21. Aufl., München 2002

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Fachbegriffe EV oder Eidestattliche Versicherung: Quelle:
http://www.net-lexikon.de/ Seit dem 27.06.1970 ist der Offenbarungseid gesetzlich
durch die eidesstattliche Versicherung ersetzt (siehe §§ 807 Abs. 2
und 3, 899 ff. ZPO). Nach diesen Vorschriften hat der Schuldner in der Zwangsvollstreckung
aus einem Titel zu Protokoll an Eides Statt zu versichern, dass er die Angaben
in seinem Vermögensverzeichnis nach bestem Wissen und Gewissen richtig und
vollständig gemacht habe. Der Schuldner ist zur eidesstattlichen Versicherung
verpflichtet, wenn entweder
die Pfändung durch den Gerichtsvollzieher
nicht zu einer vollständigen Befriedigung des Gläubigers geführt
hat,
der Gläubiger glaubhaft macht, dass er durch Pfändung seine
Befriedigung nicht vollständig erlangen kann,
der Schuldner die Durchsuchung
seiner Wohnung verweigert oder
der Gerichtsvollzieher den Schuldner trotz
Ankündigung mindestens zwei Wochen vorher wiederholt nicht in seiner Wohnung
angetroffen hat.
Zuständig für die Abnahme der eidesstattlichen
Versicherung nach § 807 Abs. 2 ZPO ist der Gerichtsvollzieher. Erscheint
der Schuldner im Termin zur Abnahme der eidesstattlichen Versicherung nicht, so
kann auf Antrag des Gläubigers gem. § 901 ZPO gegen ihn Haftbefehl erlassen
werden. Die Haft zur Erzwingung darf gem. § 913 ZPO sechs Monate nicht übersteigen.
Versichert der Schuldner unrichtige oder unvollständige Angaben im
Vermögensverzeichnis so kann er sich bei Vorsatz wegen Falscher Versicherung
an Eides Statt (§ 156 StGB) und bei Fahrlässigkeit wegen Fahrlässiger
falscher Versicherung an Eides Statt (§ 163 StGB) strafbar machen.
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