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Versicherung
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Der Begriff Versicherung wird allgemein mehrdeutig verwendet. Man versteht darunter:

Eine Gesellschaft, die Versicherungsverträge anbietet.
Den Versicherungsvertrag selbst.
Das Grundprinzip der kollektiven Risikoübernahme.

Inhaltsverzeichnis
1 Grundprinzip der Versicherung

1.1 Keine Versicherung
1.2 Untypische Versicherungen

2 Der Versicherungsvertrag

2.1 Rechtsquellen
2.2 Am Versicherungsvertrag Beteiligte
2.3 Rechtspflichten und Obliegenheiten der Beteiligten

3 Wichtige Arten von Versicherung

4 Weblinks

Grundprinzip der Versicherung
Das Prinzip einer Versicherung besteht darin, dass eine größere Anzahl von Versicherungsteilnehmern (Versicherungsnehmer) einen Beitrag (die Versicherungsprämie) an ein Versicherungsunternehmen entrichten, um ein finanziell schwerwiegendes Risiko (z.B. ein Schadensereignis) abzusichern, das jeden treffen kann aber nicht zwingend treffen muss. Wird das Risiko für den einzelnen Versicherungsnehmer nicht realisiert, geht die geleistete Versicherungsprämie für den Versicherungsnehmer in den meisten Versicherungssparten verloren. Wird das Risiko realisiert (tritt das versicherte Schadensereignis ein), werden die versicherten Leistungen durch das Versicherungsunternehmen erbracht. Für das Versicherungsunternehmen ist das Geschäft deshalb rentabel, weil die Versicherungsprämien mit mathematischen/statistischen Methoden so kalkuliert werden, dass sie insgesamt den Aufwand aus den erbrachten Leistungen decken. Dies funktioniert allerdings nur dann zuverlässig, wenn genügend Versicherungsverträge zum Risikoausgleich beim gleichen Versicherungsunternehmen bestehen (siehe auch das Gesetz der großen Zahl).

Die versicherbaren Risiken sind sehr vielfältig, lassen sich aber auf wenige Risikopruppen reduzieren:


biometrische Risiken (z.B. Todesfall, Langlebigkeit, Berufs- und Erwerbsunfähigkeit) werden in Lebensversicherungsprodukten abgedeckt
Kostenrisiken (z.B. Gerichtskosten, Krankheitskosten) werden beispielsweise durch die Rechtsschutzversicherung und die Krankenversicherung gedeckt
Schadensrisiken (z.B. Feuer, Unfall, Diebstahl) werden durch zahlreiche Schadensversicherungsarten gedeckt (z.B. Wohngebäudeversicherung, Unfallversicherung, Hausratversicherung)
Haftungsrisiken werden durch zahlreiche Formen der Haftpflichtversicherung gedeckt
Die Zweige der Sozialversicherungen können nur eingeschränkt zu den Versicherungen gezählt werden, da es sich um umlagefinanzierte, staatlich organisierte Pflichtversicherungen handelt. Sie werden an dieser Stelle nicht weiter behandelt.


Keine Versicherung
Die gesetzliche Rentenversicherung begann zwar als echte Invaliditätsversicherung (wobei die Invalidität ab einem bestimmten Alter als gegeben angenommen wurde und nicht mehr nachgewiesen werden musste), der Versicherungscharakter ging jedoch mit der zunehmenden Lebenserwartung im 20. Jahrhundert und der Wandlung zu einer echten Altersrente immer mehr verloren.

Eine Lotterie ist einer Versicherung in manchen Aspekten sehr ähnlich, nicht zuletzt auch deshalb, weil Versicherungen ursprünglich vielfach Wett- oder Lotteriecharakter hatten.


Untypische Versicherungen
Eine besondere Form der Lotterie ist die Tontinenversicherung, bei der eine Gesamtheit von Anlegern einen Betrag aufbringt, der nach dem Ablauf einer vereinbarten Laufzeit verzinst an die Überlebenden der Gesamtheit ausbezahlt wird. Hier steht die Beitragszahlung nicht unter Risiko. Für die Leistung wird das biometrische Risiko zur Erhöhung der Rendite für die Überlebenden genutzt.


Der Versicherungsvertrag

Rechtsquellen
Der Versicherungsvertrag ist ein privatrechtlicher Vertrag. Aufgrund der hervorgehobenen volkswirtschaftlichen Bedeutung der Versicherungen und den zahlreichen Spezialitäten des Versicherungsrechts wurde 1908 das Gesetz über den Versicherungsvertrag (Versicherungsvertragsgesetz - VVG) in Kraft gesetzt. Als Spezialnorm des Versicherungsrechts hat es Vorrang vor den Normen des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB), von dem nur die allgemeinen Bestimmungen und der spezifische Sprachgebrauch in der Auslegung für das VVG maßgeblich sind.

Neben dem BGB haben das Gesetz betreffende der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBG) und das Handelsgesetzbuch (HGB) Einfluss auf den Versicherungsvertrag.

Das VVG findet keine Anwendung auf die Zweige der Sozialversicherung, die Seeversicherung und die Rückversicherung.

Neben den gesetzlichen Normen sind die für den jeweiligen Versicherungsvertrag geltenden Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) von zentraler Bedeutung. In den AVB wird der Versicherungsfall, die Leistungsmodalitäten und andere wichtige, allgemeine Details zum Versicherungvertrag geregelt. Vereinbarungen, die nur für den konkreten Versicherungsvertrag gelten und nicht mit dem Inhalt der für den Vertrag massgeblichen AVB vereinbar sind, werden in so genannten Besonderen Vereinbarungen (BV) festgehalten. Diese haben in ihrer Wirkung Vorrang vor den AVB.

Bis 1994 war der deutsche Versicherungsmarkt reguliert. Dies bedeutete, dass jeder Versicherungstarif inklusive der AVB und der versicherungsmathematischen Kalkulation explizit durch die damals zuständige Aufsichtsbehörde (Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen) genehmigt werden musste. Um für das einzelne Versicherungsunternehmen das Genehmigungsverfahren zu vereinfachen, wurden daher einheitliche AVB in den verschiedenen Versicherungssparten verwendet. So waren beispielsweise die privaten Haftpflichtversicherungen aller Anbieter hinsichtlich ihrer AVB identisch, der Wettbewerb bewegte sich fast ausschließlich auf der Preisebene. Mit der Deregulierung des deutschen Versicherungsmarktes 1994 entfiel die Genehmigungspflicht für neue Tarife und ihre AVB, so dass sich schon nach kurzer Zeit in einigen Sparten (z.B. Berufsunfähigkeitsversicherung) ein heftiger Wettbewerb bei den AVB entwicklte. Soll heute ein Versicherungsvertrag neu abgeschlossen werden, ist ein Bedingungsvergleich unverzichtbar.

Der einzelne Versicherungsvertrag wird im so genannten Versicherungsschein (oder auch Police) dokumentiert. Im Versicherungsschein werden alle vertragsindividuelle Inhalte festgehalten (z.B. Versicherungsbeginn und -ende, Prämie, Versicherungssummen, versicherte Risiko, Tarif).


Am Versicherungsvertrag Beteiligte
Die Vertragsparteien eines Versicherungsvertrags sind die Versicherungsgesellschaft auf der einen und der Versicherungsnehmer auf der anderen Seite. Als Versicherungsnehmer kommen natürliche wie juristische Personen in Frage. Auf beiden Vertragsseiten können auch mehrere Parteien beteiligt sein. So ist es beispielsweise möglich, dass es zwei Versicherungsnehmer gibt (z.B. Ehepaar), genauso wie mehrere Versicherer (Konsortium) an einem Versicherungsvertrag beteiligt sind.

Bei Personenversicherungen gibt es darüber hinaus noch eine oder mehrere versicherte Personen, auf die das versicherte Risiko abgestellt ist. Die bezugsberechtigten Personen in der Lebensversicherung gehören im engeren Sinn nicht zu den Beteiligten.

Indirekt gilt auch der Versicherungsvermittler als Beteiligter, da er als Handelsvertreter oder Makler den Versicherungsvertrag zwischen den Vertragsparteien vermittelt.


Rechtspflichten und Obliegenheiten der Beteiligten
Der Versicherungsnehmer hat die vom Versicherer einklagbare Pflicht, die Versicherungsprämie zu zahlen. Obliegenheiten sind zwar nicht einklagbar, werden sie jedoch vom Versicherungsnehmer schuldhaft verletzt, kann es sein, dass der Versicherer keine Versicherungsleistung erbringen muss. Die Obliegenheiten unterscheiden sich je nach Art der Versicherung erheblich. Sie können darin bestehen, dass der Versicherungsnehmer nach Eintritt des Versicherungsfalls zumutbare Maßnahmen zur Vermeidung von Folgeschäden ergreifen muss, können aber auch nur darin bestehen, den Versicherer innerhalb einer bestimmten Frist über den eingetretenen Versicherungsfall zu informieren.

Die vertragliche Hauptleistung des Versicherers ist die so genannte Gefahr- oder Risikotragung, dass heißt im Schadensfall die vereinbarte Leistung zu erbringen. Der Versicherer hat keine Obliegenheiten zu erfüllen, sondern je nach Art der Versicherung Nebenleistungen zu erbringen. So muss beispielsweise in der Haftpflichtversicherung der Versicherer die Abwehr unberechtigter Schadensersatzforderungen übernehmen.


Wichtige Arten von Versicherung
Allgemein werden Versicherungen an Hand von zwei Kriterien in Gruppen eingeteilt:


1. Personen- und Nichtpersonenversicherungen

Die Personenversicherung gliedert sich in die Lebens-, die Kranken- und die Unfallversicherung.
Zur Nichtpersonenversicherungen werden alle Sach-, Haftpflicht- und sonstige Vermögensversicherungen gerechnet.

2. Schadens- und Summenversicherungen

Die Schadensversicherung deckt im Versicherungsfall den konkreten Schadensbedarf. Eine vereinbarte Versicherungssumme beschreibt bei dieser Versicherungsart lediglich die maximale Versicherungsleistung. Typische Schadensversicherungen sind die Kranken-, die Hausrat-, die Haftpflicht- und die Rückversicherung
Die Summenversicherung leistet im Versicherungsfall eine vorbestimmte Versicherungssumme. Summenversicherungen sind immer Personenversicherungen, bekanntestes Beispiel ist die Lebensversicherung.

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Versicherung aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU Lizenz für freie Dokumentation. Die Liste der Autoren ist in der Wikipedia unter dieser Seite verfügbar, der Artikel kann hier bearbeitet werden.

 

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