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Inflation
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Inflation (von lateinisch: "das Sich-Aufblasen; das Aufschwellen")
ist der Zustand einer Volkswirtschaft, in dem der allgemeine Preisstand
steigt, also Waren und Dienstleistungen gemessen in den jeweiligen
Geldeinheiten teurer werden. Anders ausgedrückt bedeutet Inflation
eine Steigerung des Preisindex oder die Schwächung der Kaufkraft
einer Währung.
Ursprünglich bezog sich der Begriff lediglich auf eine Ausweitung
der Geldmenge, die zu einer Geldentwertung führt.
Inhaltsverzeichnis
1 Messung der Inflation
2 Ursachen / Gründe
3 Ausprägungen der Inflation
4 Beseitigung der Inflation
5 Kernrate der Inflation
Messung der Inflation
Am häufigsten wird zur Messung der Inflation der Preisindex
der Lebenshaltungskosten herangezogen, die sogenannte Inflationsrate.
Dieser wird mit Hilfe eines für einen durchschnittlichen (im
Beispiel) deutschen Haushalt (2,3 Personen) in einem bestimmten
Jahr (Basisjahr) repräsentativen "Warenkorbs" berechnet.
Enthalten waren darin etwa in früheren Jahren: Statistischer
Warenkorb
| Statistischer Warenkorb |
| Jahr |
1995
|
2000
|
| Nahrungsmittel, alkoholfreie Getränke |
13,1% |
10,3% |
| Tabakwaren, alkoholische Getränke |
4,2% |
3,7% |
| Bekleidung, Schuhe |
6,9% |
5,5% |
| Wohnung, Wasser, Gas, Brennstoffe |
27,5% |
30,2% |
| Einrichtungsgegenstände |
7,1% |
6,9% |
| Gesundheit, Pflege |
3,4% |
3,5% |
| Verkehr |
13,9% |
13,9% |
| Nachrichtenübermittlung |
2,3% |
2,5% |
| Freizeit, Kultur, Unterhaltung |
10,4% |
11,0% |
| Bildungswesen |
0,7% |
0,7% |
| Hotel, Restaurants |
4,1% |
4,7% |
| Andere Waren und Dienstleistungen |
6,1% |
7,0% |
| Quelle: Statistisches
Bundesamt (http://www.destatis.de/) |
Auf Grundlage dieses Warenkorbs und des damit festgelegten Basisjahrs
werden für jedes Jahr die Lebenshaltungskosten und daraus die
prozentuale Steigerung zum Vergleichs- oder Vorjahr ermittelt. Das
statistische Bundesamt ermittelt für jeden Monat die Preissteigerungen,
welche auch regelmäßig in den Medien veröffentlich
werden. Im Schnitt betragen diese Inflationsraten zur Zeit zwischen
0,5 und 1,5%, wobei meistens die Mineralölpreise am stärksten
zur Preissteigerung beitragen. Probleme bei der Messung dieser Zahlen
ergeben sich vor allem daraus, dass je weiter das Vergleichsjahr vom
Basisjahr entfernt ist, der Warenkorb immer weniger repräsentativ
ist. Dies begründet sich zum einen im veränderten Konsumentenverhalten
(Produktinnovationen, Substitution teurer Produkte durch günstigere),
wie auch in der qualitativen Steigerung (bessere Computer) der Produkte.
Weiterhin zu beachten ist, dass es sich immer um das statistische
Mittel handelt, das nicht auf jedermann ohne weiteres anwendbar ist.
Zum Beispiel unterscheiden sich die Ausgaben sehr wohlhabender Haushalte
(stärkere Gewichtung des oberen Drittels der Maslow'schen Bedürfnispyramide)
deutlich von den Ausgaben der Haushalte mit geringem Einkommen. Haushalte,
denen ein geringes Einkommen zur Verfügung stehen, geben einen
größeren Anteil für Grundnahrungsmittel, Wohnen, Energie
etc. aus. Preissteigerungen für diese Warenarten begründen
dann eine stärkere Inflationserfahrung, während gleichzeitig
"Luxusgüter" im Preis sinken können.
Ursachen / Gründe
Grundsätzlich wird zwischen einer Nachfragesoginflation und
einer Angebotsdruckinflation unterschieden. Tritt die Nachfragesoginflation
in Aktion, sind die Ursachen, wie aus dem Wort zu entnehmen, auf
der Nachfrageseite zu suchen. In diesem Fall steigt die Nachfrage
nach Gütern derart schnell, dass die Angebotsseite nicht durch
Anheben des mengenmäßigen Angebots reagieren kann und
statt dessen die Preise nach den Marktgesetzen anhebt. Die Folge
ist eine Steigerung des allgemeinen Preisniveaus, also eine Inflation.
Auf der anderen Seite steht die Angebotsdruckinflation (auch: Kosteninflation),
deren Ursprünge bei den Produktionskosten zu suchen sind. In
der Regel sind diese vor allem bei der Steigerung der Energiepreise
und Lohn- und Lohnnebenkosten oder Erhöhung der Kreditkosten
zu suchen. Die Kosteninflation erscheint allerdings nur dann in
einer Erhöhung des Preisniveaus, wenn die teurer produzierten
Güter auch auf dem Markt zu den geforderten höheren Preisen
Käufer finden.
Liste mit Inflationsursachen
Nachfragesog
zu starke Geldmengenvermehrung (monetaristische Theorie)
aus dem Ausland (Übergreifen der Inflation von Land A in Land
B)
aus dem Inland (Zentralbank erhöht die Geldmenge)
nicht monetäre Ursachen
privater Konsum
betriebliche Investitionen
Staatsausgaben (Fiskalinflation)
Exporte
Angebotsdruck
Kostendruck
Importe oder in Fremdwährung gehandelte Waren, z.B. Erdöl
(US-Dollar)
Zinsen
Steuern
Löhne (Lohnkosteninflation)
Gewinndruck
Eine weiterer wichtiger Begriff ist die importierte Inflation,
deren Ursachen sich aus den oben aufgeührten Punkten "Ausland",
"Exporte" und "Importpreise" zusammensetzen.
Eines der Grundprinzipien des Keynesianismus ist die umgekehrte
Korrelation zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit. Grundlage für
diese Annahme bildeten empirische Untersuchungen auf der Basis historischer
Daten, die mit sinkender Arbeitslosigkeit ein höheres Preisniveau
verbanden (Philipskurve / Phillipstheorem). Theoretisch erklärt
wurde dieses Prinzip damit, dass mit sinkender Arbeitslosigkeit
das Volkseinkommen steigt und hierdurch die Konsumgüternachfrage
stärker ansteigt als Produktionskapazitäten geschaffen
werden können. Dazu kommt, dass bei Vollauslastung die Preise
ansteigen und die Gewerkschaften bei geringerer Arbeitslosigkeit
höhere Lohnforderungen durchsetzen können, was sich auf
die Preise auswirkt. Entgegen dieser Theorie trat in den 70er Jahren
die Stagflation auf, welche neben einem hohen Arbeitslosenniveau
auch steigende Inflationsraten verbuchte. Somit war die Philipskurve
insoweit widerlegt, weil sie nur gilt, wenn die Einflüsse von
außen (die siebziger Jahre waren durch steigende Rohstoffpreise
geprägt) stabil gehalten werden.
Ausprägungen der Inflation
Leichte Inflation (etwa 0% bis 5% Wertverlust im Jahr) hat nachfragefördernde
Wirkung, da Leute ihr Geld ausgeben oder investieren wollen. Freilich
verlangen sie für Investitionen immer noch eine Liquiditätsprämie,
d.h. die Renditen müssen deutlich über der Inflationsrate
liegen. Tun sie das nicht, wird versucht das Geld woanders (z.B.
im Ausland) anzulegen. Leichte Inflation kann man fast überall
beobachten und ist grundsätzlich zu begrüßen.
Schwere Inflation (etwa über 5% Wertverlust im Jahr) hat nachfragehemmende
Wirkung. Das Tauschmittel Geld verliert seinen Wert schneller als
andere Güter (z.B. Immobilien, Aktien, Sachkapital allgemein)
und wird deswegen nicht angenommen. Diese Nicht-Annahme des Geldes
verhindert den Handel und kann so die Wirtschaft zerstören,
mit Folgen wie Arbeitslosigkeit oder Dumping-Löhnen. Bei schwerer
Inflation steigt die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Kann nicht
genug werthaltiges Sachkapital produziert werden, wird versucht,
Wert in Devisen anzulegen. Die Entwertung des Geldes wird so beschleunigt.
Häufig gibt es nach der Inflation eine Währungsreform.
Schwere Inflation konnte man in der Geschichte unter anderem beobachten:
um 1622 in Europa in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges
um 1923 in Deutschland (Deutsche Inflation 1914 bis 1923)
1939 - 1948 in Deutschland (zurückgestaute Inflation, korrigiert
durch Währungsreform)
jahrzehntelang bis 1991 in Argentinien
jahrzehntelang bis 1994 in Brasilien
um 1995 in Mexiko
um 2002 in Argentinien
Versucht der Staat, die freie Preisbildung zu regulieren, sucht
sich die Inflation andere Wege, bekannt unter verdeckter oder zurückgestauter
Inflation, die sich in Käuferschlangen u.ä. äußert.
Die offene Inflation ist eine reine Preissteigerung.
Nach der Geschwindigkeit kann eine Inflation auch unterschieden
werden: Schleichende, trabende und galoppierende Inflation.
Beseitigung der Inflation
Eine Möglichkeit Inflation zu stoppen besteht darin Preise
und Gehälter staatlich zu binden. Der Versuch dazu scheiterte
in den 70er Jahren in den USA, da sich die Inflation, wie oben genannt,
andere Wege suchte. Viele Wissenschaftler halten Preisbindungen
für sinnlos oder sogar schädlich für eine Volkswirtschaft.
Monetaristen, deren Überzeugungen momentan die Geldpolitik
der wichtigsten Zentralbanken der Welt beeinflussen, versuchen mit
Hilfe der Geldmenge die Inflation zu steuern. Eine Senkung der umlaufenden
Geldmenge (in Deutschland auch kurz M3 genannt) würde etwa
bedeuten, dass mit weniger verfügbaren Geld die gleiche Anzahl
von Produkten gekauft werden muss. Dadurch sinkt der Preis, da der
Wert des Geldes insgesamt steigt. Eine solche Maßnahme wäre
aber sehr kostenintensiv (da deflationär und rezessiv) und
wäre angesichts politischer Widerstände nur schwer umzusetzen.
Statt dessen versuchen Zentralbanken deshalb, das Wachstum der Geldmenge
dem Wachstum des Produktionspotentials anzugleichen. - Siehe auch:
Quantitätstheorie.
Keynsianer steuern statt dessen eher auf der Nachfrageseite: Mit
Hilfe einer höheren Besteuerung oder geringeren Staatsausgaben
wird versucht die Nachfrage zu bändigen. Aber auch diesem Mittel
sind sehr enge Grenzen gesetzt.
Eine andere früher durchgeführte aber ebenso kostenintensive
Möglichkeit war die Golddeckung der Währung. Dies hatte
zur Folge, dass für den gesamten Wert einer Währung Goldreserven
angelegt wurden. Letztendlich war dies in Deutschland, das als sehr
inflationsempfindlich gilt (dank zweier Inflationskrisen), nur ein
psychologischer Grund genügend Vertrauen in die DM zu schaffen.
Eine sehr untergeordnete Rolle spielen derzeit freiwirtschaftliche
Überlegungen zum Thema der Inflation, die der Vollständigkeit
halber hier genannt werden: Nach den Ideen von Silvio Gesell könnte
in einer Freiwirtschaft Inflation durch entsprechende Geldmengenpolitik
verhinderbar sein, ohne Deflation zu erzeugen. Dass die Ideen von
Silvio Gesell auch in der Praxis funktionieren würden, zeigte
1932 ein Experiment in der Stadt Wörgl in Österreich.
Die Anhänger Silvio Gesell´s vermuten, dass die derzeitigen
Kapitalinhaber (wie z.B. Banken) ein großes Interesse haben,
dass die Freiwirtschaft nicht in die Praxis umgesetzt wird, da sie
die Hauptbenachteiligten dabei sein würden. Nach den Anhängern
Gesells, den sogenannten Freiwirten, wäre dann sogar Vollbeschäftigung
und Wohlstand für alle möglich. Dies sei aber nur durch
das Ende der Zinswirtschaft zu ereichen.
Kernrate der Inflation
Die Kernrate der Inflation schließt die Preise für Lebensmittel
und den Energiesektor aus der Berechnung aus.
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